Kindern Grenzen setzen

Kindern Grenzen setzen

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    Kindern Grenzen setzen - so gelingt es

    Kindern liebevoll und ohne Gewalt Grenzen setzen

    Übungen, Beispiele, Pädagogik

    Stell dir einmal die Situation beim Abendessen in eurer Familie vor. Dein Kind schreit, macht Quatsch, spielt mit dem Essen. Ihr fordert es mehrmals auf, einfach zu essen, doch es geht weiter und weiter. Schließlich platzt deinem Partner der Geduldsfaden, er wird lauter und schreit “Wenn du nicht sofort damit aufhörst, stelle ich dich in den Garten!”.
    Es ist übrigens sehr kalt draußen.
    Was tust du? Findest du diese Art, eine Grenze zu setzen, in Ordnung? Ist es zu viel? Genau richtig?

    Dies ist übrigens ein echtes Beispiel aus der Glücksheldin-Community.

    Und mit diesem Beispiel sind wir schon bei unserem Thema: Grenzen setzen bei Kindern.

    Kindern Grenzen setzen: Warum ist das wichtig?

    Zunächst einmal ist es so, dass Grenzen, die du deinem Kind setzt, ihm oder ihr Sicherheit geben. Du gibst deinem Kind damit Halt und Orientierung. Du übernimmst Verantwortung, indem du Grenzen klarmachst und das sorgt für Verlässlichkeit.

    Kinder können – je nach Alter – noch nicht oder noch nicht vollumfänglich die Konsequenzen ihres Handels abschätzen. Sie brauchen hier verlässliche Bezugspersonen, die ihnen diesen Rahmen aufzeigen.

    Aber worüber reden wir eigentlich, wenn wir über Grenzen reden?

    Ein paar Beispiele aus dem Alltag, die wir so oder so ähnlich wahrscheinlich alle schonmal gesagt oder gehört haben:

    • Aus dem soeben geschilderten Beispiel: Du sollst jetzt in Ruhe essen, anstatt zu schreien und Quatsch zu machen.
    • Du darfst nicht einfach über die Straße gehen, ohne nach Autos zu schauen, denn das ist gefährlich.
    • Du darfst nur einen Schokoriegel essen, denn sonst wird dir schlecht.
      Zieh deine Schwester nicht an den Haaren, denn das tut ihr weh.
    • Du kannst nicht bis 4 Uhr nachts wegbleiben, denn du brauchst für morgen genug Schlaf.
    • Bitte schrei nicht so, denn davon tun mir die Ohren weh.


    Grenzen für Kinder sind also immer dann notwendig, wenn dein Kind für die Situation oder das, was gerade passiert, noch nicht oder noch nicht vollumfänglich die Verantwortung übernehmen kann.

    Zur Reflexion frage dich:

    • Welche Grenze habe ich in letzter Zeit meinen Kindern gesetzt?
    • Wie habe ich mich dabei ausgedrückt?

    Kindern Grenzen setzen: zwei Extreme

    Vorab ist es sehr wichtig, dass jeder Elternteil/jedes Elternteam seinen eigenen Weg finden sollte. Darauf kommen wir später auch noch einmal zurück. Wir wollen hier jedoch zwei Extreme zum Thema “Grenzen setzen bei Kindern” vorstellen, um die Bandbreite deutlich zu machen.

    • Bei einer Erziehung ohne Grenzen spricht man vom sogenannten permissiven Erziehungsstil (lateinisch permittere = erlauben).
      Der Grundgedanke von Eltern mit diesem Erziehungsstil ist: Mein Kind soll sich frei und selbstbestimmt entfalten.
      Bei diesem Erziehungsstil gibt es ein paar Regeln, die aber auch gebrochen werden können. Es gibt keine Konsequenzen. Der feste Glaube ist, dass sich das Kind am festen entfalten kann, wenn sich Erwachsene nicht einmischen.

    Nachteil dieses Erziehungsstils ist, dass Kinder kaum die Chance haben eine Frustrationstoleranz zu entwickeln, woraus übrigens auch Resilienz, also eine innere Kraft entsteht. Wenn wir unserem Kind alles erlauben, lernt es nicht, mit Frustration umzugehen.
    Zusätzlich kann das Kind irgendwann Probleme mit Regeln und Autorität in Gruppen bekommen.
    Im ersten Moment wirkt es entspannt, sich nicht um Grenzen kümmern zu müssen, oder? Mittelfristig gesehen, kommt sicherlich Frust bei den Eltern auf, da das Kind eben bestimmte Fähigkeiten nicht entwickelt und Schwierigkeiten in sozialen Kontexten, wie der Schule, hat, da es keine Übung im Umgang mit Grenzen hat.

    • Das Extrem auf der anderen Seite der Skala in Bezug auf Grenzen setzen bei Kindern ist sicherlich der autoritäre Erziehungsstil.
      Es gibt eine sehr starke Hierarchie zwischen dem Erziehenden und dem Kind. Es ist ganz klar, dass der Erzieher/die Erzieherin das Sagen hat und das Kind die Grenzen, Regeln und Ansagen einhalten muss. Wenn dies nicht der Fall ist, wird das Kind bestraft.

    Nachteil ist offensichtlich die emotionale Entwicklung des Kindes. Die ständige Erkenntnis, dass die eignen Wünsche und Bedürfnisse nicht beachtet werden, wird Folgen haben. Zum Beispiel eine emotionale Distanz zu den Eltern oder die Annahme “Ich bin nur etwas wert, wenn ich brav bin/allen Regeln folge”. Dieser Erziehungsstil war bis zu den 60er Jahren populär und wurde dann – zum Glück – infrage gestellt und schließlich zumeist abgelöst. Das heißt auch, dass unsere Vätergeneration noch eigene Eltern hatte, die genauso aufgewachsen sind und sicherlich noch einiges weiter gegeben haben.

    Zur Reflexion frage dich:

    • Wie wurde ich selbst erzogen?
    • Welche Besonderheiten beobachte ich an meinem eigenen Erziehungsstil?

    Kinder Grenzen setzen: deinen eigenen Weg finden

    Zwischen diesen beiden Extremformen gibt es extrem viele Schattierungen und auch Möglichkeiten. Bestimmt hast du schon einiges gelesen über die verschiedensten Wege und Methoden. Wichtig für dich als Mutter (oder auch als Eltern) ist es hier, deinen oder euren ganz persönlichen Weg zu finden.

    Unserer Erfahrung nach ist es essenziell wichtig, dass du und ggf. dein Partner/deine Partnerin selbst ein klares Bild davon habt, wo die Grenzen sind. Dann könnt ihr dies auch klar und verständlich kommunizieren.
    Dafür braucht es einen guten Bezug zu dir selbst, deinen eigenen Bedürfnissen, das Wissen darüber, was dir wichtig ist und was du überhaupt nicht willst. Lies hierzu unseren Artikel zum Thema Grenzen setzen, in dem es um deine ganz persönlichen Grenzen geht.

    Extrem wichtig für dein Kind sind sicherlich Grenzen, bei denen es um die Sicherheit bzw. Gesundheit deines Kindes geht. Ich habe zahlreiche Situationen im Kopf, in denen meine Kinder, beide auf Laufrädern, in unterschiedliche Richtungen auf die Straße gefahren sind. Hier hilft kein Verhandeln mehr, sondern nur noch Handeln. Die Grenze ist sonnenklar: Nicht auf die Straße fahren!

    Dann gibt es Grenzen, die deine persönlichen Bedürfnisse widerspiegeln. Wenn dein Kind am Essenstisch schreit und dir der Kopf platzt, welche Bedürfnisse gehen jetzt vor? Halten wir das aus oder setzen wir eine Grenze?
    Unsere Überzeugung ist hier, dass unbedingt die Bedürfnisse aller Familienmitglieder geachtet werden müssen!

    Grenzen spiegeln auch oft eure Werte als Familie wider. Was ist euch wichtig? Dass alle pünktlich zu Hause sind, damit ihr gemeinsame Zeit beim Abendessen verbringen könnt? Dass keine Schimpfwörter benutzt werden?

    Frage dich oder fragt euch:

    • Welche Werte sind dir in deiner Familie wichtig?
    • Welche Grenzen sind für dein Kind gerade besonders wichtig?
    • Welche Grenzen sind gerade für dich besonders wichtig?
    • Wie kannst du die gesetzten Grenzen deinem Kind so vermitteln, dass es sie verstehen kann?

    Kindern Grenzen setzen: Übungen und Beispiele

    Es ist wesentlich, wie du Grenzen an dein Kind kommunizierst. Hierzu einige Tipps:

    • Formuliere altersgemäß, begründe die gesetzte Grenze, soweit dein Kind sie verstehen kann. Je jünger dein Kind ist, desto kürzer und einfacher formuliert ist hier die Regel.
    • Mit einem älteren Kind können Grenzen oder Regeln auch gemeinsam festgelegt werden
    • Formuliere positiv, also statt “Wir gehen nicht auf der Straße” lieber “Wir bleiben auf dem Gehweg”.
    • Wenn dein Kind über eine Grenze geht, atme tief durch, bevor du reagierst. Habe im Kopf, dass dein Kind nicht per se gegen dich handelt, wenn es über Grenzen geht. Dies ist vielmehr ein Prozess, der sehr wichtig ist und auch zur Eigenständigkeit und Ablösung (etwa in der Pubertät) beiträgt. Wichtig ist für dich, hier weiter klar und konsequent zu bleiben.
    • Eine wichtige Voraussetzung für das Setzen von Grenzen ist eine gute Beziehung zwischen Kind und Erziehungsperson. Kinder brauchen das Gefühl, dass sie ernst genommen werden und dass ihre Bedürfnisse und Meinungen respektiert werden. Wenn Eltern oder Erziehungsberechtigte den Eindruck vermitteln, dass sie nur ihre eigenen Bedürfnisse durchsetzen wollen, kann dies zu Konflikten führen und das Vertrauen des Kindes in die Erwachsenen beeinträchtigen.
    • Lies hierzu und zum Thema Kommunikation auch unseren Blogartikel zum Thema Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern.

    Frage dich:

    • Wie möchtest du in Zukunft Grenzen an dein Kind kommunizieren? Was ist dir hier wichtig?
    • Wenn du dir eine beispielhafte Situation vor Augen führst: Wie möchtest du das nächste Mal reagieren, wenn Grenzen nicht eingehalten werden?

    Kindern Grenzen setzen: Fazit

    Wir brauchen Regeln und Werte und so auch Grenzen im sozialen Miteinander. Unsere Kinder werden soziale Kontakte knüpfen. Sie werden Konflikte austragen und selbst Grenzen stecken müssen. Wir sind als Eltern dafür verantwortlich, unsere Kinder dabei zu unterstützen. Wenn sie Regeln, Grenzen und Werte im familiären Kontext kennen, wird es ihnen vermutlich leichter fallen, diese auch in Kindergarten, Schule etc. zu beachten.
    Unsere Kinder lernen am sogenannten Modell (siehe Modelllernen/Albert Bandura.). Wenn wir als Modell unsere Bedürfnisse nicht achten und unsere Gefühle nicht authentisch kommunizieren, wie soll dann unser Kind lernen, auf sich zu achten?

    Die Frage ist, wie setzen wir Grenzen so, dass sie nicht entwürdigend und verletzend sind, aber trotzdem konsequent sind und deinem Kind eine Orientierung geben?

    Wir sind uns sicher, dass du hierzu deinen Weg finden wirst, wenn du es schaffst für dich selber Klarheit zu gewinnen. Du hast so viel Intuition und inneres Wissen als Mutter in dir. Vertraue dir selbst und du wirst es alles gut machen.

    Literaturhinweise

    Social learning theory, Englewood Cliffs, N.J.: Prentice-Hall, 1977.

    Lernen am Modell. Ansätze zu einer sozial-kognitiven Lerntheorie. Klett, Stuttgart 1976, ISBN 3-12-920590-X.

    Sozial-kognitive Lerntheorie. Klett-Cotta (Konzepte der Humanwissenschaften), Stuttgart 1979, ISBN 3-12-920511-X.

    Grundlagen der Entwicklungspsychologie, Haug-Schnabel und Bensel. Herder, 2017, ISBN 3451329603

    Entwicklungspsychologie, Schneider und Lindenberger. Beltz, 2012, ISBN 3621277684

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